Home / Bitcoinblog.de / Warum es so schwierig ist, über IOTA zu schreiben

Warum es so schwierig ist, über IOTA zu schreiben

Um verantwortungsbewusst über ein Thema zu schreiben, muss ein Autor beide Seiten beleuchten: Guten und Schlechtes, Licht und Schatten. Wenn man dies bei IOTA versucht, risikiert man, von einem kleinen, aber radikalen Teil der Szene in einen Shitstorm gezogen zu werden. Was tun?

Wie schwierig es sein kann, über Kryptowährungen zu schreiben, wurde mir Anfang 2014 klar. Damals erzählte jemand im Coinforum, dass er einen Kredit aufgenommen habe, um Bitcoin auf dem Höhepunkt der 2013er-Blase zu kaufen, und nun nicht mehr wisse, was tun. In diesem Moment begriff ich, dass ich womöglich zu euphorisch gebloggt hatte. Wäre es nicht vielmehr meine Pflicht gewesen, auf solche Risiken hinzuweisen?

Einseitig zu berichten, heißt fast zwangsläufig, zu lügen, egal worum es geht. Wer über eine Kryptowährung nur Gutes (oder nur Schlechtes) schreibt, erzeugt ein unvollständiges Bild, das die persönliche Meinung des Autors – und womöglich sein eigenes Investment in eine Währung – zum Ausdruck bringt, aber vorgibt, objektive Information zu sein. Das könnte man eine Lüge nennen. Da sich viele Menschen über Kryptowährungen informieren, weil sie Investitions-Entscheidungen nachdenken, ist dies unverantwortlich.

Licht und Schatten

Seitdem versuche ich, über die Kryptowährungen, die hier oft ein Thema sind – Bitcoin, Bitcoin Cash und Ethereum – sowohl Gutes als auch Schlechtes zu schreiben. Ich versuche, Licht und Schatten, Chancen und Risiken, aufzuzeigen, und picke mir die Nachrichten aus dem täglichen Strom der News dementsprechend heraus. Damit hoffe ich auch, meine eigene Meinung – die ich weder verhehlen noch ignorieren kann – zu neutralisieren. Ob und wie gut mir das gelingt, kann ich nicht sagen. Aber immerhin versuche ich, auf irgendeine Weise das Richtige zu tun und meinen Lesern ausgewogene Informationen zu vermitteln.

Bei kontroversen Themen ist dies oft schwierig. So war mein Bloggen über den Streit zwischen Small Blockern und Big Blockern oft voller Sprengfallen. Teilweise, weil das Thema extreme Reaktionen hervorgerufen hat, teilweise, weil ich dazu selbst eine starke Meinung hatte. Auch das Schreiben über Bitcoin Cash, ein Produkt dieses Streits, ist oft schwierig. Aber das ist leider nichts gegen die Probleme, vor die mich IOTA stellt.

Nur noch Licht

Gestern habe ich darüber geschrieben, wie IOTA auf der Hannover Messe präsentiert wird, vor allem von Fujitsu. Gute Nachricht! Ende März habe ich darüber geschrieben, wie die RWTH Aachen beginnt, IOTA für ein “Internet of Production” zu nutzen. Ebenfalls eine gute Nachricht. IOTA ist ein interessantes Projekt, eine Kryptowährung, deren Basis in Berlin ist, und die von der deutschen Industrie getestet wird. Ich bringe mit Vergnügen “Good News” über IOTA.

Aber es gäbe auch schlechtes über IOTA zu berichten. Etwa dass das University College of London (UCL) die Zusammenarbeit mit der IOTA-Foundation beendigt hat, weil es “unangemessen ist, dass Sicherheitsforscher zum Ziel gerichtlicher Drohungen werden, wenn sie ihre Forschungsergebnisse enthüllen.” Der Hintergrund ist, dass die IOTA-Szene die Forscher vom MIT bzw. DCI mehr oder weniger zu Feinden erklärt haben und dass einer der IOTA-Entwickler diese verklagen wollte. Das UCL sollte, soweit ich weiß, die seit langem angekündigte Wallet für IOTA testen.

Oder dass die Financial Times IOTA kritisiert, sowohl technisch, als auch sozial. Die Wirtschaftszeitung prangert vor allem den Umgang der IOTA-Szene mit Journalisten an. Sie erinnert an den Fall von Amy Castor, einer ehemaligen Forbes-Autorin, die durch einen Meinungsartikel einem wichtigen Vertretern von IOTA ein Statement entlockt hat, das einfach nur würdelos ist. Kryptoszene.de schreibt mehr darüber. Die FT erwähnt auch, dass es eine “Troll Army” von IOTA gibt, die auch nicht vor der Drohung mit körperlicher Gewalt zurückschrecke, um Leute daran zu hindern, sich zu äußern.

Die Kontrolle des Narrativs

Ich neige mehr und mehr dazu, nichts Negatives übe IOTA zu schreiben und mich auch in neutralen Artikeln mit ausgleichenden Anmerkungen und Erklärungen, die ich bei anderen Währungen ergänzen würde, zurückzuhalten. Ein jüngst erschiener Artikel auf Bitcoin.com erklärt hevorragend, warum. Der Artikel vergleicht die Methoden von IOTAs Troll-Army leider mit Goebbels, was sehr sehr ungeschickt ist, und angesichts dessen, dass die IOTA-Foundation ihre Basis in Deutschland hat, auch als eine plumpe, bewusste Provokation zu verstehen ist. Ich distanziere mich davon, die IOTA-Szene in irgendeiner Weise mit Nazis zu vergleichen. So ein Vergleich relativiert die Verbrechen einer Mörderbande und hat in diesem Zusammenhang nichts, aber auch gar nichts zu suchen.

Aber ansonsten beschreibt der Artikel sehr treffend, wie ich die eifrigen Vertreter der IOTA-Szene kennengelernt habe.

“Wenn Journalisten die rote Linie übertreten, etwa indem sie über etwas berichten, oder wenn Twitter-User zu weit gehen, etwa indem sie Tweets teilen, folgen die IOTA-Supporter einem vorhersehbaren Muster:

Der erste Schlag geschieht üblicherweise auf Twitter. Der Autor eines Artikels bekommt verhohlene Drohungen. Ihm wird gesagt, er sei ‘kein Journalist’ und sollte es besser wissen, als ‘FUD und Desinformation zu verbreiten.’ Wenn der Autor früher einmal irgendeinen winzigen Regelverstoß begangen hat – etwa mit einem Tweet eine nun stillgelegte Kryptowährung zu bewerben, ein peinliches persönliches Blog zu veröffentlichen, mit einem unpassenden Weihnachtspulli fotografiert worden zu sein – dann wird dies hervorgezogen und als Waffe verwendet. Es ist ein dreckiger Krieg und alles andere als ein faires Spiel.

Als nächstes werden sich die Kommentarspalten des Artikels mit kopierten Beschwerden der Troll-Armee füllen. Wenn es eine Publikation wie news.Bitcoin.com ist, wird suggeriert, dass die Firma absichtlich ‘FUD gegen IOTA’ verbreitet, weil sie fürchtet, dass Bitcoin durch IOTAs überlegene DAG-Technologie bedroht wird. Oder weil der Autor sich ärgert, dass er keine IOTA gekauft hat, als sie bei 20 cent standen. Während einige Journalisten und Forscher sich weigern, sich so niederdrücken zu lassen, geben andere nach, löschen ihre Tweets und ziehen sich aus der öffentlichen Diskussion von IOTA zurück, um ein ruhiges Leben zu genießen.”

Alles, was in diesem Absatz steht, habe ich mehrfach erlebt. Seit ich es zum ersten mal gewagt habe, etwas negatives über IOTA zu bringe, werde ich angefeindet, beleidigt, verleumdet und mit Kommentaren brigadiert. Es wird behauptet, ich sei kein richtiger Autor, ich verbreite FUD, weil ich ein Bitcoiner bin, der seinen Schatz von dem Tangle bedroht sieht, und mir werden irgendwelche Dinge, die ich einmal getweetet oder retweetet habe, immer wieder unter die Nase gerieben, auch wenn sie nicht das Geringste mit der aktuellen Diskussion zu tun haben. Es ist ein Muster, das immer wieder getriggert wird. (*)

Was tun?

Als Blogger befinde ich mich nun in einem Dilemma. Ich würde gerne weiter über IOTA schreiben, da das Interesse daran in Deutschland groß ist, und weil ich es schätze, dass IOTA engagiert die Herausforderung angeht, eine Kryptowährung massiv zu skalieren. Trotz diverser, meiner Meinung nach sehr berechtiger Skepsis ist der Tangle eine spannende Technologie.

Allerdings gibt es ein Ungleichgewicht. Ich schreibe eine gute News, dann ist alles gut. Schreibe ich dagegen eine schlechte News, gibt es den obligatorischen Shitstorm, der mich über Stunden oder Tage beschäftigt und mir eine Menge Nerven raubt. Ich werde dazu gedrängt, die Balance aufzugeben und einen einseitigen Narrativ zu übernehmen. Dies ist für mich keine Option. Um weiterhin Artikel wie den über die Messe oder die Tests der RWTH bringen zu können, muss ich auch negative Aspekte thematisieren. Und das bedeutet, angegriffen zu werden. Dazu habe ich ehrlich gesagt nicht die Nerven, und es ist nicht Aufgabe des Blogs, sich in irgendeiner Weise investigativ oder weltanschaulich aufzustellen und Hassstürmen zu trotzen.

Die einfachste Alternative wäre es, gar nicht mehr über IOTA zu berichten. Weder Positives, noch Negatives. Aber auch das behagt mir nicht, weil ich damit ein spannendes Thema verpasse und denen, die den Narrativ kontrollieren wollen, Platz verschaffe. Daher weiß ich ehrlich gesagt nicht so richtig, wie ich mit dem Thema weitermachen werde.

(*) Ich erlebe das derzeit, obwohl meine letzten Artikel über IOTA durchweg positiv waren. Denn ich bin leitender Moderator des Coinforums, in dem es einen sehr aktiven IOTA-Thread gab, in welchem deutlich Bemühungen feststellbar waren, Kritik an IOTA nach Schema F zu unterbinden. Als ich dort vor kurzem meine Meinung äußerte, gab es Beschimpfungen und der Ruf nach meiner Absetzung als Moderator, einem meiner Ko-Moderatoren ging es danach genauso. Wir haben daraufhin dafür gesorgt, dass die Anstandsregeln des Forums, die Netiquette, auch dann gelten, wenn jemand IOTA oder das Gebaren der IOTA-Szene kritisiert. Die Folge ist, dass wir Mods fast permanent Kommentare löschen müssen, die uns beleidigen, und dass die IOTA-Hardliner fortlaufend danach rufen, mich als Mod abzusetzen und mich an anderen Orten verleumden. Das Muster sollte bekannt sein.

Den ganzen Artikel findest du hier:Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Top

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close