Das OLPC Projekt oder der Anfang vom Ende


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Es klang wie die Geschichte des heiligen Samariters, fast zu schoen um wahr zu sein. Ein erfolgreicher MIT Professor machte sich auf, eine "nonprofit" Organisation zu gruenden um Kindern in der 3. Welt mit guenstigen, kleinen Laptops zu versorgen. Das "100$ Laptop" oder auch "One Laptop Per Child" Projekt war geboren und es schien, als haette die westliche Wohlstandsgesellschaft nun endlich ein Mittel gefunden um die eigene Weste mal tiefenrein weiss zu waschen:

Aber erstens kommt es oft anders und zweitens als man denkt, denn das OLPC Projekt ist ein Musterbeispiel fuer marktfremden Idealismus, persoenlichen Geltungsbeduerfnis und schwerwiegenden Managementfehlern. Ja, Nikolas Negroponte fuehlte sich sichtlich wohl auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2005, denn hier stellte er das OLPC Projekt erstmals der breiten Oeffentlichkeit vor. $100 sollte dieser Laptop kosten, der zuweilen doch eher an ein Barbie-Notebook von Mattell erinnerte und sicherlich perfekt in die Auslage bei Toys r' us passen wuerde.

Gemeinnuetzigkeit und Open Source waren die fundamentalen Philosophien des OLPC Projekts aber hiervon ist inzwischen nicht mehr viel von uebrig geblieben. Erste Zweifel kamen mir bereits im Mai 2006 auf, als ich mich doch sehr wundern musste, dass man Red Hat ins Boot holte anstatt das Angebot von Puppy Linux anzunehmen, eine angepasste Distribution zu entwickeln. Puppy Linux war von Anfang an fuer leistungsarme Plattformen konzipiert wohingegen Red Hat mit derartigen Distributionen keine Erfahrungen hatte.
Als dann auch noch Intel mit ins Boot geholt wurde, fuehlte ich mich doch langsam an "Neues aus Absurdistan" erinnert. Was bitteschoen erhofft sich eine gemeinnuetzige Organisation, die ein Produkt auf AMD Basis auf den Markt bringen will, denn von vom Chipgiganten welcher selber erst gerade den Classmate PC vorgestellt hat?

Nun, nachdem Intel 6 Millionen Dollar ins Projekt pumpte, hiess es dann auch langsam Abschied nehmen und Negroponte liess keine Gelegenheit aus, die Firma um CEO Paul Ortelli an den virtuellen Pranger zu stellen. Die naechste Hiobsbotschaft folgte prompt, denn die Hauptentwicklerin des wirklich sehr guten und innovativen Displays verliess das Projekt um ihrerseits nun ein $75 Laptop anzukuendigen.

Den Gipfel der Unglaubwuerdigkeit wurde nun aber diese Woche erreicht: Windows XP wird nun auf den XO portiert.
Wir rufen uns noch einmal die Grundsaetze des OLPC Projekts in Erinnerung: Gemeinnuetzigkeit und Open Source. Ja, hierfuer sind die Jungs aus Redmond seit jeher bekannt und da kann man auch schon einmal den Preis fuer eine XP Lizenz auf $3 senken.
Die Naivitaet (oder soll ich einfach mal so frei sein und "Dummheit" sagen?) von Negroponte wird von MS natuerlich umgehend ausgenutzt und nun duerfen wir uns von all den Marketingtrommlern erklaeren lassen, welche Vorteile denn XP fuer ein Kind in Burkina Faso bietet, welches zum ersten Mal im Leben einen PC sieht?
Vielleicht die gleichen Vorteile, die Linux haette?!

Aber der grosse OLPC Domino-Day ist noch nicht vorbei, denn kurz nach der Windows Ankuendigung wurde es dem naechsten Entwickler zu bunt. Walter Bender, seines Zeichens der Kopf hinter der Sugar Oberflaeche, war derartig ueber die aktuellen Entwicklungen erfreut, dass er sich komplett aus dem Projekt zurueck zog und nun Sugar u.a. auch fuer den Eee PC veroeffentlichen will.

Das OLPC verliert zur Zeit jegliche Glaubwuerdigkeit und Unterstuetzung in der Open Source Community und bricht sich auf unnachahmliche Art und Weise das eigene Rueckgrat.

So, what's next Onkel Negroponte? Im Moment habe ich das Gefuehl, dass aus dem "One Laptop Per Child" Projekt die "Hypokriten aller Laender vereinigt euch" Initiative geworden ist.

Fernab dieser Entwicklungen kann mir bisher kein OLPC Mitarbeiter erklaeren, warum ein Kind in Zentral Afrika nicht seinen OLPC XO an eine Steckdose anschliessen kann und in der Pause nicht ein normales Klo benutzen kann, sondern sich hinter den naechsten Busch hocken muss mit der Ungewissheit, ob es heute denn auch wirklich eine handvoll Reis zum Mittagessen bekommt.

Soviel zu den Prioritaeten in Sachen Entwicklungshilfe: Brot fuer die Welt aber die Wurst bleibt hier!

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13 Responses to “Das OLPC Projekt oder der Anfang vom Ende”

  1. junta #

    Guter Artikel! Spricht aus, was sich viele denken…

    May 18, 2008 at 2:28 am
  2. nukeUS #

    Falls mit “Hypokraten (aller Laender vereinigt euch)”

    einfach nur das Englische hypocrite=Heuchler gem. ist, so schreibt man am besten Hypocriten.

    Oder soll da noch ein Seitenhieb auf irgendwelche Sonstwas-kraten sein?

    —————
    eigentlich gibt es doch genug Viren in Entwicklungslaendern.

    Warum dann mit M$-Produkten ganz neuen Viren einen Naehrboden bereiten?

    Ist Kaspersky dann auch schon gratis drauf? und eine DatenFlat fuer die Stuendlichen Updates?

    May 18, 2008 at 2:33 am
  3. nukeUS #

    Hypokriten mit k nat. auf Deutsch.

    May 18, 2008 at 2:33 am
  4. Voellig richtig nukeUS
    Sollte vielleicht vorher nochmal drueberlesen :)

    May 18, 2008 at 2:58 am
  5. ThePo8 #

    Das Projekt OLPC – wirklich mehr ist es ja immer noch nicht – begrüsse ich trotz aller Unkenrufe ausdrücklich. Aber zugegeben, XP auf einem Low Level PC für die Entwicklung lässt jede Glaubwürdigkeit dahinschmelzen. Mal abgesehen davon, dass der Westen auch mit einer idealen Realisierung des OLPC`s seine Weste noch lange nicht “tiefenrein” gewaschen hat!
    Aber das man in der ganzen Sache Intel als Saubermann dastehen lassen will, da sträuben sich mir doch alle Haare. 6 Mio $ für einen Konzern der jährlich Millarden an Gewinn realisiert sind das doch ein Witz! Zumal die Ausgaben steuerlich geltend gemacht werden können (und werden) und die Erfahrungen in andere Projekte mit einfließen. Würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn in dem zurecht hochgelobten Atom OLPC Entwicklungen stecken. Intel ist in dieser Sache alles ander als ein Opfer, sonder vielmehr ein Nutznießer. Solange der OLPC nicht da ist, kann man seine überteuerten und mäßigen Classmate PC in Afrika & Co. konkurrenzlos weiter vermarkten…

    May 18, 2008 at 9:29 am
  6. Marcel Nürnberger #

    klasse Artikel Sascha! Bin mal wieder von deinen Künsten eine Kolumne zu schreiben begeistert =))

    May 18, 2008 at 10:50 am
  7. DrHouse #

    Bei einer non-profit organisation, einen rechner zu basteln den man für 100$ verkauft ist einfach nur utopisch!
    Schön wäre es, und es wäre auch gut wenn sich die Firma halten würde – aber nach diesem Artikel glaube ich nciht mehr daran.

    May 18, 2008 at 11:46 am
  8. @ The Po8

    ich verteidige in keinster Weise Intel, nein vielmehr prangere ich die Naivitaet von Negroponte an.
    Was Intel in dem Projekt wollte war doch ganz klar und zeigte sich dann auch, als Lybien auf einmal 150 000 Classmates anstatt XOs orderte.
    Aber genau all dies haette Negroponte ahnen muessen !
    Die Art und Weise wie er sich letztendlich ueber Intel aeusserte, hat dem OLPC Projekt sehr sehr viele Tueren fuer immer verschlossen und das war taktisch einfach unklug!

    Ja und was machen die “Experten” nun? Sie holen MS mit ins Boot…
    Offenbar haben die wirklich nichts gelernt, denn das Feedback in der Szene, die das OLPC Projekt von Anfang an begeistert unterstuetzte, ist katastrophal.

    May 18, 2008 at 2:03 pm
  9. Der Ansatz OLPC ist zunächst genial. Wie er umgesetzt wird, muss sich noch zeigen. Jedenfalls hat er dazu beigetragen, dass Notebooks billiger wurden.
    Und es ist besser, viele Menschen zu Bildung zu führen, damit sie sich selbst ernähren können anstatt sie in Abhängigkeit zu halten.

    May 18, 2008 at 5:05 pm
  10. Super Artikel, absolut top geschrieben. Das Projekt an sich ist eine super Idee, die meiner Meinung nach Zukunft hat bzw. haben sollte. Aber, die Verwirklichung ist in dem Fall mal absolut nach hinten losgegangen.

    Nochmal Respekt für diesen Artikel

    May 19, 2008 at 1:58 am
  11. aga80 #

    Ja wenn man mal zurückdenkt , als das Projekt startetete und Eckdaten bekannt wurden, fand ich das Projekt einfach nur genial, und ohne hätte es sicher nicht den Entwicklungsschunb in Richtung EEEPC usw gegeben.
    Letztendlich dürfte der OLPC tod sein.

    Aber mal sehen wie sich der Netbookmarkt hier und auch in der 3 Welt entwickelt, denn die Rechner haben immer noch ein riesiges Potential in der Ausbildung .

    May 19, 2008 at 8:10 am
  12. …sehr schön geschrieben! (mehr muss man gar nicht sagen)

    May 19, 2008 at 9:58 am

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  1. OLPC 2.0 kommt 2010 mit 2 Touchscreens | Eee PC News - May 21, 2008

    [...] den diversen Hiobsbotschaften der letzten Wochen, schien es wohl an der Zeit mal ein paar positive News zu produzieren und was [...]

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