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Carol weiß gar nichts: Ein Tag im Leben mit Lightning

Auf ihrem Blog beschreiben die Lightning-Entwickler, wie in Zukunft ein Tag von Carol aussehen wird, wenn sie das Lightning-Netzwerk benutzt. Im Endeffekt ist es fast so einfach, wie wenn sie Bitcoin bzw. Bitcoin Cash verwendet. Nur dass unter der Oberfläche sehr viel mehr passiert, von dem Carol nichts weiß – und dass ihre Transaktionen nicht die Blockchain belasten.

Carol lebt in einer “nicht – zu weit – entfernten Zukunft”, in der das Lightning-Netzwerk zum gebräuchlichen Zahlungsmittel geworden ist. Die Lightning-Entwickler beschreiben anhand eines Tages in ihrem Leben, wie die Benutzererfahrung von Lightning in Zukunft einmal aussehen kann. Diese ist bislang noch nicht so attraktiv bzw. teilweise umstritten. Daher ist das Blogpost äußerst interessant, weil es zeigt, wie eines der haarigsten Probleme von Lightning gelöst werden kann.

Falls ihr noch nicht wisst, was das Lightning-Netzwerk ist: Es ist ein Netzwerk, das aus sogenannten Payment-Channels besteht, die sich auf eine Weise verbinden, dass man Channel-übergreifend Bitcoins überweisen kann. Anders als die natürlichen Bitcoin-Transaktionen treffen Lightning-Transaktionen nie auf die Blockchain und müssen dementsprechend auch nicht von allen Knoten im Netzwerk empfangen, geprüft, gespeichert und verbreitet werden. Lightning skaliert besser als Bitcoin an sich, und das, ohne die Dezentralität von Bitcoin einzuschränken. Es ist ein wenig so, als würde man mit Solarthermie anstatt mit Holz heizen.

Bislang krankt das Lightning-Netzwerk aber noch an einer mangelnden Nutzererfahrung, auch wenn die Eclair-Wallet für Android ein guter Schritt in eine richtige Richtung ist. Das Post auf dem Blog von Lightning Labs zeigt nun, wie Carol in Zukunft Lightning erleben wird, wenn sich die Infrastruktur so entwickelt hat, wie die Entwickler sich vorstellen:

  1. Zunächst lädt Carol eine Lightning-App für ihr Smartphone herunter. Das Blog schreibt, dass sie sich einen Seed aus 24 Wörtern notiert und an einem sicheren Platz aufbewahrt, aber ich bin sicher, dieser Umstand wird optional sein. Wenn man nur 20 bis 100 Euro darauf speichert, kann man sich das auch sparen.
  2. Danach sendet sich Carol Bitcoins von der Börse auf ihre App, wie gewohnt, als wäre es eine ganz normale Wallet. Die Lightning-Entwickler schreiben, dass dies etwa eine Stunde dauert. Ob sie das schreiben, weil eine Lightning-App sechs Bestätigungen braucht, um einen Channel zu bilden, oder weil die Lightning-Entwickler gerne onchain-Transaktionen schlechtreden, weiß ich nicht.
  3. Danach nimmt ein System namens Autopilot die Bitcoins von Carol und bildet mit ihnen fünf Payment-Channels. Dies dauert nochmal etwa eine Stunde, ist aber nur bei der ersten Einrichtung notwendig.
  4. Nun geht Carol in das Einkaufscenter und kauft sich Socken aus Alpaka-Wolle. Der Verkäufer zeigt ihr einen QR-Code auf seinem Tablet, Alice scannt es mit der Lightning-Wallet und klickt auf “Senden”. Die Zahlung ist sofort angekommen, die Gebühren waren ultraniedrig.
  5. Am Abend kauf Carol für ein Online-Spiel (“World of Wowcraft”) ein Ingame-Item. Eine Lightning-Zahlungsanweisung poppt auf, Carol bestätigt, und die Zahlung ist erfolgt. Augenbicklich und fast kostenlos.
  6. Danach möchte Alice ihre Wallet aufladen. Da ihre liebste Börse auch Lightning unterstützt, muss sie dazu lediglich eine Zahlungsaufforderung mit dem Betrag an zu empfangenden Bitcoins sowie ihrer ID im Lightning Netzwerk bilden. Diese sendet sie an die Börse, die dann per Lightning Bitcoins an sie sendet. Sofort und fast ohne Gebühren.

All das klingt einfach, doch wenn man unter die Haube schaut, entdeckt man eine Menge Technologie, von der Carol gar nichts weiß. Die Lightning-Entwickler zählen auf:

  • Payment Channels, durch die sie die Bitcoins sendet,
  • Smart Contracts, die gewährleisten, dass dabei nicht betrogen werden kann,
  • Routing Nodes, die für Carol die Transaktion ans Ziel bringen,
  • Watchtowers, die Carol davor bewahren, dass sie dabei doch betrogen wird (wenn sie offline geht),
  • Splicing, ein Feature, das es ermöglicht, aus einem Channel heraus onchain zu bezahlen, ohne den Channel zu schließen, und
  • Atomic Multipath Payments, die größere Beträge in kleinere aufsplitten, um diese besser durchs Netzwerk routen zu können.

All diese Technologien, erklärt das Blog, muss Carol ebenso wenig kennen, wie sie TCP/IP verstehen muss, um das Internet zu benutzen.

Auf eine gewisse Weise macht alles in dem Post Sinn. Wenn alle mitmachen und kleine Umwege gehen, kann man Lightning nutzerfreundlich machen. Auf eine gewisse Weise macht es aber auch überhaupt keinen Sinn. Denn an sich hat Carol in der fernen Zukunft, in der Lightning perfekt funktioniert, fast dieselbe Nutzererfahrung, die sie bereits heute mit jeder beliebigen Kryptowährung außer Bitcoin haben kann, nur ein wenig umständlicher. Für Carol als Nutzerin wird sich nichts zum Besseren verändern. Für sie ist Lightning ein wenig wie ein neues Metallica-Album – man freut sich, wenn Lieder “fast so gut wie früher” sind.

Die Lightning-Entwickler weisen zwar immer wieder darauf hin, dass onchain-Transaktionen so teuer und langsam sind. Allerdings haben alle Währungen außer Bitcoin sehr geringe Gebühren, und unbestätigte Transaktionen sind in allen vorgestellten Zahlungsbeispielen vollkommen in Ordnung (und vermutlich sogar noch schneller als Lightning-Transaktionen). Wenn man bedenkt, dass die Lightning-Wallet erst sechs Transaktionen braucht, um startbereit zu sein (eine fürs Aufladen, fünf für die Payment-Channels), und ein bis zwei Stunden, um startklar zu sein, dürfte sie für den User zunächst sogar erheblich teurer und langsamer werden.

Dazu kommen noch einige kleine Unbequemlichkeiten gegenüber der normalen Nutzung durch Bitcoin: Mit dem Backup durch einen Seed kann man bei Lightnung nur die Ausgangstransaktion, die den Channel öffnet, rekonstruieren, nicht jedoch den Verlauf des Channels, und das Abheben von Coins von einer Börse scheint ein wenig komplizierter zu sein, da es zunächst eine Aktion der empfangenden Wallet verlangt. Auch muss man einem Watchtower vertrauen, zumindest ein bißchen.

Es ist natürlich gut, zu wissen, dass Lightning einmal einen ähnlichen Nutzungskomfort haben kann wie Bitcoin bzw. Bitcoin Cash selbst. Aber man sollte sich nicht darauf vertrauen, dass dies ausreicht, damit sich das offchain-Netzwerk durchsetzt. Dazu braucht es vermutlich den Idealismus, die Bitcoin-Blockchain nachhaltig zu bewirtschaften, und dafür auch zunächst altruistisch Nachteile in der Nutzererfahrung in Kauf zu nehmen. So ähnlich, wie bei der Energiewende.

Den ganzen Artikel findest du hier:Quelle

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