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Bitcoin ist hochpolitisch!

Nachdem der angekündigte, aber nun abgesagte Vortrag der AFD-Politikerin Alice Weidel auf der UNCHAIN-Konferenz für Aufregung gesorgt hat, erklärt Mitorganisator Aaron Koenig, warum die Veranstaltung Bitcoin als hochpolitisches Geld versteht – aber dies nichts mit rechts zu tun hat.

Text von Aaron Koenig

In letzter Zeit gab es einige Diskussionen darüber, welche politische Rolle Kryptowährungen spielen. Einige Medien behaupten sogar, “rechtskonservative” oder gar “rechtsextreme” Kräfte würden das Thema für sich besetzen. Das ist allerdings völliger Unsinn.

Bitcoin und seine Nachfolger sind nicht angetreten, um das bestehende Geldsystem zu konservieren, sondern um es zu revolutionieren. Es geht darum, die Macht der Banken und der Regierungen zu brechen. Ich wüsste nicht, was daran “konservativ” sein sollte.

Unter “rechtsextrem” wird im deutschen Sprachraum vor allem der Nationalsozialismus verstanden, also eine Ideologie, die den “Staat” und das “Volk” über alles stellt, die Rechte des Individuums hingegen missachtet.

Die politische Grundlage Bitcoins ist hingegen der Libertarismus, bei dem es darum geht, die Macht von Regierungen streng zu limitieren. Die Freiheitsrechte des Einzelnen werden von Libertären als höchstes Gut angesehen, und finden Ihre Grenzen erst dort, wo die Freiheitsrechte anderer eingeschränkt werden. Diese politische Denkschule steht dem Nationalsozialismus und anderen totalitären Ideologien also diametral gegenüber.

Einige Bitcoin-Anhänger gehen sogar soweit, jede Form von Regierung in Frage zu stellen. Sie wollen eine Gesellschaft, die ganz ohne Zwang auskommt und ausschließlich auf freiwilligen Vereinbarungen beruht. Libertäre Vordenker wie Murray Rothbard, David Friedman oder Hans-Hermann Hoppe haben sich mit solchen neuartigen Gesellschaftsmodellen beschäftigt.

Susanne Tarkowski Tempelhof

Wir werden uns auf unserer Konferenz UNCHAIN, die Ende Mai / Anfang Juni in Hamburg stattfindet, eingehend mit dieser spannenden Thematik befassen. Dort wird unter anderem Susanne Tarkowski Tempelhof auftreten, die mit ihrem Projekt Bitnation Dienstleistungen anbietet, für die man bisher glaubte, eine Regierung zu benötigen. Grundbücher, Pässe, Eheschließungen und viele andere Dinge, die bisher unter dem Monopol zentraler Autoritäten standen, können heutzutage durch Blockchain-Technologie realisiert werden. Dieser radikale Ansatz soll die Gründung neuer “Nationen” ermöglichen, die nicht auf Geographie beruhen, sondern auf dem freiwilligen Zusammenschluss Gleichgesinnter.

Titus Gebel

Nicht weniger radikal, wenn auch nicht ganz so utopisch, ist die Idee von Titus Gebel, der mit seinen Free Private Cities eine bessere Alternative zum Auslaufmodell Staat schaffen möchte. Die Bürger einer privaten Stadt beziehen und bezahlen als freiwillige Vertragspartner Dienstleistungen von einem Unternehmen, das die Stadt verwaltet. Das können zum Beispiel Sicherheitsdienste zum Schutz von Leben und Eigentum der Bürger sein. Wenn ein Stadtmanagement seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommt, kann man es verklagen, die Zahlung der Gebühr verweigern oder den Vertrag kündigen und in eine andere Privatstadt ziehen, deren Management besser arbeitet.

Sterlin Luxan

Unser Referent Sterlin Luxan von Bitcoin.com geht sogar soweit, sich als Anarchist zu bezeichnen. Ich finde diesen Begriff eher unglücklich gewählt, weil die meisten Menschen unter Anarchie Chaos und die Abwesenheit von Regeln verstehen. Die eigentliche Definition von Anarchie ist jedoch lediglich, dass es keine Herrschaft gibt. Regeln für das menschliche Zusammenleben bestehen sehr wohl, doch sie beruhen auf freiwilliger Übereinkunft, nicht auf Zwang. Ich bin sehr gespannt auf Sterlins Vortrag über den Zusammenhang zwischen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und einer herrschaftsfreien Gesellschaft.

Wir hatten ursprünglich überlegt, auch deutschen Parteipolitikern die Gelegenheit zu geben, zur politischen und gesellschaftlichen Bedeutung von Kryptowährungen Stellung zu nehmen. Wir haben Politiker verschiedener Parteien angefragt, auch wenn mir nur sehr wenige bekannt sind, die von diesem Thema Ahnung haben. Nachdem Frank Schäffler von der FDP und Alice Weidel vom liberalen Flügel der AfD nach anfänglichen Zusagen leider aus terminlichen Gründen wieder absagen mussten, haben wir uns entschieden, ganz auf Parteipolitiker zu verzichten.

Der Schwerpunkt der UNCHAIN liegt auf praktischen Anwendungen von Kryptowährungen und der Blockchain. Unsere Kernzielgruppe sind Entscheider in Unternehmen, die mehr über diese Technologie erfahren wollen, weil sie spüren, dass hier eine Revolution im Gang ist, die Wirtschaft und Gesellschaft massiv verändern wird.

Insofern ist unsere Veranstaltung natürlich hochpolitisch, und das muss sie sein. Es gibt wohl kein politisch brisanteres Thema als die Revolution des Geldsystems und die Abschaffung von Herrschaft. Schon unser Name UNCHAIN drückt aus, dass es beim Thema Bitcoin in erster Linie um die Freiheit des Einzelnen geht.

Wir freuen uns sehr auf kontroverse Diskussionen mit unseren Sprechern und Gästen!

Den ganzen Artikel findest du hier:Quelle

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